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Von einem Ende ohne all zu großen Schrecken

Wie aus meinem

letzten Beitrag

nur unschwer zu entnehmen war, traf ich in der letzten Woche eine für mich äußerst relevante Entscheidung.

Ich beendete mein Arbeitsverhältnis nach über 3,5 Jahren der Zusammenarbeit.

„Man soll gehen, wenn es am Schönsten ist“ trifft hier leider beim besten Willen nicht zu.

Ich entschloss mich zu gehen, als es noch mit sachlichen Worten und hoch erhobenen Hauptes (für beide Seiten) möglich war.

Ich bedauere diesen Entschluss in erster Linie wegen meiner wunderbaren Kolleg*Innen. Doch diese lade ich gerne in mein Privatleben ein. Denn bei guten Gesprächen köstlich gegessen und div. Wein- und Gin-Sorten gekostet haben wir ja schon immer gerne miteinander. Also müssen wir nicht zwingend zusammenarbeiten, um das auch weiterhin zu tun.

Auch manche Kundenübergabe fiel mir schwer.

„Meine Tochter ist schwer mehrfachbehindert. Ich möchte nicht, dass sie weiterhin in einer Einrichtung leben muss. Sie soll ihre eigene Wohnung mit 24-Stunden-Assistenz haben. Geht das überhaupt?“ begann eine Dame Ende letzten Jahres ein kurzfristig vereinbartes Beratungsgespräch.

Und „Ja!!“ das geht. Und wie!

Ein Hoch auf alle engagierten Eltern / Mütter. Nachdem ich ihr direkt versichert hatte, dass dies in jedem Fall möglich sei, begann sie innerhalb Kürzester Zeit völlig eigenständig, Großartiges auf die Beine zu stellen.

Wer sich in diesem Bereich auskennt weiß, dass Beantragungen von sozialgeförderten Wohnungen und 24-Stunden-Assistenz sich über viele Monate hinziehen können.

Besagte Tochter lebt seit März diesen Jahres mit einem tollen Assistenzteam in ihrer eigenen Wohnung.

Denn ihre Mutter ließ nicht locker, telefonierte den Sachbearbeitern hinterher, legte Widersprüche ein, sobald ich ihr die dafür notwendigen Informationen hatte zukommen lassen. Sie plante im Voraus, klärte Fragen, noch bevor diese für sie persönlich relevant wurden.

Ich bin dankbar und freue mich, dieses hohe Engagement, diese Zuversicht und Willensstärke miterlebt haben zu dürfen.

Wir führten ein sehr wertschätzendes und wunderbares Abschiedsgespräch.

Einen zweiten ähnlichen Prozess kann ich nun leider nicht bis zu einem solch stabilen Punkt begleiten.

Diese Kundin lebt noch in einer Einrichtung und wartet täglich auf Nachricht bzgl. einer für sie geeigneten Wohnung.  

Doch auch sie ist selbstbewusst und weiß, was sie möchte.

Ich bedauere es sehr, diesen Prozess nicht weiterhin begleiten zu können. Ich bin mir jedoch sicher, dass er ebenfalls sehr erfolgreich verlaufen wird und sie mit tollen Assistent*Innen in einer eigenen Wohnung zufrieden leben wird.

Mein Kollege wird sie weiterhin begleiten, worüber ich sehr froh bin.

Auch mit ihr dürfte ich ein sehr schönes Abschiedsgespräch führen, in dem es in erster Linie um Selbstachtsamkeit ging.

Selbstachtsam war auch ich, in dem ich Prioritäten und meinen Partner und mich auf Platz eins meiner Liste setzte.

Diese Entscheidung macht mich sehr glücklich.

Ich freue mich auf die kommende Zeit und alles, was das (Berufs)Leben für mich bereithalten wird.

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Selbstbestimmt Arbeiten oder vom Wunschkonzert des Lebens

Aus gegebenem Anlass habe ich mich in letzter Zeit intensiv mit meinen beruflichen Möglichkeiten und meinem Konzept von Arbeit befasst.

Der gegebene Anlass ist die Corona-Pandemie in Verbindung mit meinem momentanen Arbeitgeber, bei dem ich angestellt bin.

Kurz gesagt sind die Kernelemente wie Wertschätzung und Verständnis hier nicht in der Form vorhanden, wie ich sie mir wünschen würde. Von der Qualität und sogar Quantität der Kommunikation ganz zu schweigen.

„Das Leben ist ja auch kein Wunschkonzert.“ Doch, ich finde schon.

Zumindest sollte es eines sein oder als dieses betrachtet werden.  Wünsche und Träume sollte jeder von uns in hohem Maße haben, oder etwa nicht?

Und wenn Du dich damit so gar nicht anfreunden kannst: Das Leben ist jetzt, in diesem Moment, in dem Du diesen Beitrag liest ein Wunschkonzert.

Unzufriedenheit ist eine gute Basis für die Entwicklung von Wünschen und Träumen. Wenn man weiß, was man auf keinen Fall möchte, ist es sehr einfach, dies ins Gegenteil umzukehren. So formuliert man in der Sozialen Arbeit sogar des Öfteren Ziele. 😉

Und ich bin mir sicher, dass vielleicht nicht alle, aber einige Wünsche erfüllt werden können.

Ganz ehrlich, sind Wertschätzung, Empathie, Verständnis und Kommunikation auf Augenhöhe übertrieben hohe Erwartungen?

Der finanzielle Aspekt sollte natürlich nicht zu kurz kommen, klar. 😀

Meine Vision ist es, meine eigene Chefin zu sein und selbstbestimmt zu arbeiten. selbstbestimmt, nicht selbst und ständig.

Denn ich selbst werde für mich immer genug Verständnis und Empathie übrig haben. Zumindest bin ich auf einem sehr guten Weg zu lernen,, mich selbst wertzuschätzen und zu achten.

Ich möchte mir auch gerne selbst aussuchen, mit wem ich zusammenarbeite. Wobei ich diesbezüglich bei meinem Arbeitgeber wirklich großes Glück habe. Alle, die mit mir gemeinsam beraten, hätte ich mir auch selbst ausgesucht. Das war aber auch schon anders.

Die Inhalte der Arbeit würde ich auch gerne selbst festlegen und nur das anbieten, was ich entweder gut kann, dabei bin, zu lernen und gerne tue.

Mal Hand aufs Herz: In jeder Stellenanzeige steht doch irgendeine Tätigkeit, bei der man denkt: „Hoffentlich muss ich das dann nicht sooo oft machen…“ 😉

Ein weiterer Aspekt ist die persönliche Weiterentwicklung, die ich in meiner Beratungstätigkeit nicht (mehr) sehe.

Ich habe bislang in zwei Jobs im Angestelltenverhältnis gearbeitet. Bei beiden lief es darauf hinaus, es allen Beteiligten (und das waren oft viele) recht machen zu müssen / wollen.

Im Endeffekt entscheidet man sich dann oft für die Lösung, für die man nicht zu sehr vom Arbeitgeber kritisiert wird.

Ortsunabhängiges Arbeiten / Homeoffice ist ein weiterer Aspekt, der mir in letzter Zeit sehr wichtig wurde.

Natürlich wurde dies sehr von der Corona-Pandemie gestärkt und kann sich irgendwann auch noch einmal ändern.

Momentan stellt es aber für mich die sicherste und leider auch einzig mögliche Form des Arbeitens dar. Mein Partner zählt zur Risikogruppe und sein Schutz ist meine oberste Priorität.

Glücklicherweise kann ich mir einige dieser Wünsche bereits durch meine Tätigkeit als Schriftdolmetscherin erfüllen. Das ist großartig.

Doch insbesondere die Tätigkeit im Homeoffice ist aufgrund fehlender barrierefreier Online-Schriftdolmetschplattformen noch nicht möglich.

Somit suche ich aufgrund der aktuellen Situation nach alternativen Wegen.

Welche Wünsche hast Du deinen Job und vielleicht auch Dein Leben betreffend?

Konntest du sie dir bereits erfüllen?

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Drei Fragen

…die mir gestellt werden:

1. Haben Sie DAS schon immer?

Wahlweise auch: Hast Du das schon immer? (und das auch bei Menschen, mit denen ich weder Berge erklommen, Wein, Kaffee oder sonst was getrunken habe oder mit denen mich sonst etwas Erwähnenswertes verbindet)

Gerne würde ich antworten, dass meine Haarfarbe tatsächlich schon immer so ist, meine Haarlänge über die Jahre jedoch durchaus variiert hat. Alternativ auch, dass mein Smartphone seit guten drei Jahren in meinem Besitz ist.

Aber Hey, ich bin Sozialpädagogin, verständnisvoll und versuche, die größtmögliche Empathie aufzubringen.

Also: Ja, ich bin von Geburt an blind. Und nein, wiedererwartend ist das nicht „voll / echt schlimm“.

2. Arbeiten Sie?

Eine an sich gute Frage, wäre ihr das kleine Wort „was“ vorangestellt worden.

Ja. Ich bin Sozialpädagogin, Schriftdolmetscherin und Dozentin.

Generell kann ich sagen, dass blinde Menschen üblicherweise berufstätig sind. Ausnahmen gibt es natürlich auch hier. Sicher kann auch ab und an die Blindheit eine Ursache für länger andauernde Arbeitslosigkeit sein. Dies ist jedoch ein vorwiegend gesellschaftliches Problem, dem ich mich gerne an anderer Stelle widme.

Doch ich denke nicht, dass die Frage auf dieser gesellschaftlichen Ebene anzusiedeln ist.

Bei manchen Fragenden womöglich tatsächlich. Viele können sich jedoch nicht vorstellen, dass es möglich ist, als blinde Person eine Ausbildung oder ein Studium zu absolvieren und folglich zumindest theoretisch in der Lage zu sein, arbeiten zu können.

Ich persönlich habe Sozialpädagogik studiert und anschließend die Fortbildung zur Schriftdolmetscherin absolviert.

An meiner Hochschule war ich die erste blinde Studentin und habe mir somit vieles erarbeitet. Erkämpfen musste ich es glücklicherweise nicht, da sehr verständnisvoll auf meine Belange eingegangen wurde. So bekam ich Unterlagen in digitaler Form und hatte Studienassistenz zur Aufbereitung von Büchern.

Meine Fortbildung war barrierefrei und für Blinde und Sehbehinderte konzipiert. Auch mal schön. 🙂

3. Wohnen Sie Alleine?

Nein, ich wohne mit meinem Partner zusammen.

Das Aufatmen der fragenden Person ist stets deutlich hörbar. Ein Glück. 😉

Und dabei belasse ich es auch. Der geschätzten Leserschaft verrate ich jedoch gerne, dass ich seit Beginn meines Studiums in diversen unterschiedlichen Wohnungen alleine gewohnt habe.

Natürlich gab es zu Beginn die eine oder andere Panne. Übergekochte Milch, verbrannte Fischstäbchen u. v. m. Aber wer kennt das nicht?

In meiner letzten eigenen Wohnung leistete ich mir dann den Luxus einer Haushaltshilfe – aus Bequemlichkeit und der Zeitersparnis wegen. Denn gewisse Tätigkeiten wie Staubsaugen und Wischen dauern (zumindest bei mir) länger und sind mitunter weniger gründlich ausgeführt, als wenn es eine sehende Person übernimmt.

Ich beantworte gerne Fragen. Das ist prinzipiell kein Problem. Ich bin aber, wie meine Freundin stets zu sagen pflegt, nicht die allgemeine Auskunft.

Nur, weil jemand eine Dienstleistung (Taxi fahren) für mich erbringt, heißt das nicht, dass ich auf dem Weg zum Bahnhof Lust habe, den (sicher nachvollziehbaren) Wissensdurst zu stillen.

Auch bei Zugfahrten habe ich entweder Arbeit, ein gutes Buch oder Musik im Sinn anstatt ein solches Gespräch. Und manchmal habe ich tatsächlich auch keine Lust, mich zu unterhalten. 🙂

Heißt, es kommt in erster Linie auf das Setting und natürlich die fragende Person an. Der Ton macht bekanntlich die Musik. 😉

Gerne nutze ich aber diesen Blog, um eure Fragen zu beantworten.

Also schreibt diese in die Kommentare und ich werde diese in zukünftigen Beiträgen beantworten. Ich freue mich darauf!